Wenn, dann

 

Wenn ich pensioniert bin,

 

dann gehe ich auf Reisen

dann schlafe ich morgens aus

dann fröne ich endlich meinem Hobby

dann kann ich tun und lassen, was ich will

dann geniesse ich das Leben

dann baue ich das Haus um

dann habe ich Zeit für mich

dann kauf ich mir einen Hund

dann lass ich die Seele baumeln

 

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Wenn das neue Jahr beginnt,

 

dann ess’ ich weniger Schokolade

dann kauf ich mir ein Fitnessabo

dann drossle ich die Termine

dann bau ich mehr Inseln in den Alltag ein

dann will ich wieder mal alte Freunde besuchen

dann nehm’ ich mir mehr Zeit für die Familie

dann kaufe ich die Weihnachtsgeschenke schon im März ein

dann zieh ich im Garten Tomaten

 

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Wenn Wochenende ist,

 

dann leg ich mich auf die faule Haut

dann erledige ich in Ruhe, zu was ich unter der Woche nicht gekommen bin

dann lese ich wieder mal ein Buch

dann zahle ich endlich die Rechnungen ein

dann gibt’s eine Vater-Kind-Stunde und Mutter-Tochter-Sequenz

dann gönn ich mir eine Massage

dann versuch ich zu rekonstruieren, was die vergangene Woche eigentlich alles so lief

 

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Wenn der Tag vorbei ist,

 

dann gönn ich mir ein Essen im Sitzen

dann antworte ich auf die tagsüber erhaltenen Whatsapp-Nachrichten

dann geh ich noch kurz spazieren

dann hole ich tief Luft

 

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Wenn ich morgen noch da bin,

 

dann ereilt mich ein Herzinfarkt

 

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Wie wäre es, wenn ich stattdessen die Handbremse zöge, den Herzinfarkt ausliesse und den Prioritäten eine neue Ordnung gäbe?

 

Wenn nicht jetzt, wann dann?

 



7 Gedanken zu „Wenn, dann“

  1. Urs Strahm sagt:

    Ja diese „wenn-dann-Schleife“ … oftmals sind wir doch darin gefangen und es wäre doch ab und zu förderlich, das „Wenn“ fahren zu lassen und einfach im „Dann“ zu sein.
    Hab Dank für deine Gedanken und Worte, Manuela!

  2. Bernhard Gross sagt:

    Sehr schön aufgezählt, Manuela👏👏👏!!
    Die Handbremse anziehen will gelernt sein und bedeutet ein neues Bewusstsein. Es funktioniert dauerhaft nur nach ausgiebigem Training, zumindest bei mir😂😂😂

  3. Liebe Mäni.
    ich würde die Handbremse ziehen,bevor es zu spät ist.
    Herzliche Grüsse
    Brigitte

    1. Manuela Gebert sagt:

      Die Kunst ist es wohl, genau diesen Zeitpunkt zu realisieren… denn fürderhin handeln wir nach dem Prinzip, es geht und geht, bis es nicht mehr geht…

  4. Elsbeth Schranz sagt:

    Manuela, wenn du mit deinem Text nur zwei Herzinfarkte vermeiden könntest, wäre das ganz einfach wunderbar.
    Ich glaube, dass es immer wieder gesagt werden muss oder dass jemand anderes für mich die Handbremse zieht.
    Ich sitze im Moment in der Isolation und bin dankbar, dass ich deine Zeilen lesen darf und ich mich besser kennen lernen darf. Herzlichen Dank Elsbeth

    1. Manuela Gebert sagt:

      Liebe Elsbeth
      Isolation ist sicherlich nichts einfaches… Du scheinst das mit Fassung zu nehmen und eine Erfahrung und Entdeckungsreise zu Dir darauf zu machen, chapeau!

  5. Luder sagt:

    Bravo Manuela, sehr gut!

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