Una festa sui prati

 

Olivenhaine, so weit das Auge reicht. Die Wurzeln der Bäume in sonnengetränkter, roter Erde. Daneben leuchten meterhohe Oleandersträuche in den azurblauen Himmel, den kein Wölkchen trübt. Kleine Strässchen, gesäumt von Trockenmauern aus weissem Stein, die den Blick in hunderte ähnlicher Olivengärten freigeben, dazwischen lugt gleissend hell ein Trulli oder eine Masseria hervor und deutet an, dass hier gewohnt und gelebt wird.

Ein grosses Tor schwingt auf, rechts und links vom Kiesweg stehen Pinien Spalier, in Amphoren und Tongefässen quillen Geranien um die Wette, Lavendel, Rosmarin, welch‘ herrlicher Duft durchwirkt die trocken-heisse Luft, die in der Ferne flimmert. Zweimal Hupen vor dem einladenden Gebäude, die Jalousien sind geschlossen und halten die Hitze auf Distanz: Da kommen sie daher, zwei Menschen, die wir bis dato noch nie gesehen haben. Ein grosses Hallo und herzliches Benvenuti und schon zieht uns der Sog der süditalienischen Gastfreundschaft in dieses wundervolle Daheim und ehe wir’s uns versehen, sitzen wir wie lang vermisste Familienmitglieder um den Tisch herum, trinken Wein und essen Köstlichkeiten, die kaum zu beschreiben sind:

Eingelegte Zucchini, zuckersüsse Melonen, herrlich grillierte, saftige bistecca alla fiorentina, scharf-glänzende Spaghetti all’aglio e oglio, himmlischer Bohnensalat mit roten Zwiebeln, sonnenverwöhnte pomodori mit Basilikum, frischer Zopf, köstliche Aprikosenmarmelade… „Mangi! Probier das und von diesem, un espresso? Wie war die Reise? Unsere Hühner legen wieder mehr Eier, eh no, ma sì!“ ein buntes Treiben, Lachen und Erzählen. Schon hupt ein Auto und einer der vielen Cousins steigt aus. „Da seid ihr ja, ihr müsst nachher zum Kaffee kommen, a dopo, ci vediamo, ciao“.

Rasch ein wenig Wasser ins Gesicht gespritzt, ein Sommerkleid übergestreift und ab gehts zu Fuss um sieben Ecken. Fröhliches Hundebellen kündigt uns beim Cousin an und schon herzen wir eine weitere, zauberhafte Familie wie alte Bekannte. Wo eben noch ein leerer Vorplatz war, werden im Handumdrehen Stühle und ein Tisch herbeigeschafft, zack ein Tischtuch übergeworfen und selbstgebackene Taralli aufgetischt. Schon rinnt das kühlende Nass eines würzigen Biers die Kehle hinunter. Der agile Bisnonno unterhält die ganze Bande mit herrlich-komischen Witzen und lächelt darob verschmitzt. Als wäre das nicht genug geselligen Treibens, ruft der Erzbischof aus Afrika an und schaut dank Whatsapp-Telefonie in fünfzehn Gesichter durcheinanderschwatzender naher und weiter entfernter Verwandter. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus; dieser Orkan an Freundlichkeit, Wohlwollen, Dolce-Far-Niente verschlägt uns die Sprache. Und ist wunderbar! Dieses Aufgenommensein, das fröhliche Füreinander ist ansteckend und fühlt sich an wie Fliegen auf bunten Luftballons.

Una festa sui prati dauerte in unserm Fall zwei volle Tage und fühlte sich an wie ein Monat Ferien; wir mäanderten von einem lauschigen Sitzplatz zum andern, unterhielten uns über Gott und die Welt und assen vom Morgen bis spät in die Nacht. Una bella compagnia war das A und O, die Wärme des Landes und die Düfte des Südens taten ihr Übriges dazu, dass mitten im fruchtbaren Land der Olivenbäume ein Fest gefeiert werden konnte, das an Spontaneität und Herzlichkeit nicht zu überbieten ist. Ein herzliches Grazie an euch wunderbare Menschen in Apulien und euch liebe Freunde aus der Heimat, die ihr uns ein solch‘ unbeschwertes Wochenende beschert habt.



2 Gedanken zu „Una festa sui prati“

  1. Trachsel Richard sagt:

    Ich staune immer wieder über die ausschmückenden Worte, einer an sich schon schönen Begebenheit. Die Scenerie ist so bildlich beschrieben als ob ein Film abläuft.
    Super
    Richard

  2. Mario Delvecchio sagt:

    Schöner kann man neue Begegnungen, neue Orte und Eindrücke nicht beschreiben, Complimenti ala scritore!

    Cari Saluti
    Mario

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