Sprüngli ist jetzt auch in Bern!

 

„Sprüngli ist jetzt auch in Bern“!   …………   Aha. Hmmm. Soll ich mich darüber freuen? Muss ich begeistert sein? Irgendwie sträubt sich etwas in mir. Hat nichts mit Sprüngli und Zürich zu tun. Oder einfach in anderer Weise, als man gemeinhin annehmen könnte.

 

Wenn ich nämlich jeweils auf Besuch in der Nordschweiz war, reichte die Zeit zu früheren SBB-Fahrplan-Ära’s gerade noch dazu, kurz im eleganten Zürcher Sprüngli-Geschäft Halt zu machen. Das war fast schon wie in einer noblen Bijouterie, in einer Confiseur-Bijouterie eben. Diese zarten Düfte, ausgesuchten Köstlichkeiten in wunderbarer Weise drapiert zu kleinen Kunstwerken und das stolze Personal, das mit Handschuhen bewaffnet vorsichtig die sündhaft-teuren und ebenso feinen Luxemburgerli in Schachteln getürmt hat: Ich kam mir vor wie ein König und freute mich während der ganzen, restlichen Zugreise auf die Gesichter, die strahlend diese herrlichen Spezialitäten in Empfang nehmen würden.

 

„Das geht mit Berner Luxemburgerli jetzt nicht mehr?“, fragen Sie zu recht! Doch schon… muss ich kleinlaut eingestehen. ABER der Witz ist weg resp. nun ist es eben ein Witz. Ich kann doch nicht eine Zürcher-Spezialität in Bern gekauft nach Schaffhausen karren! Irgendwie will da nicht so recht mehr Freude aufkommen. Das ganze Erlebnis ist dahin, mir fehlt die Eleganz, das Besondere an diesem Intermezzo in Zürich, bei welchem ich manchmal fast den Anschlusszug verpasst habe, weil der Sprüngli-Stopp noch andern im Sinne stand und die Kolonne im Geschäft entsprechend lang war.

 

Ich soll mich nicht so zieren, meinen Sie? Schliesslich könne man auch das volle Jahr über Tomaten und Erdbeeren aus fernen Ländern kaufen und das im hintersten Berner Oberland! Äh, was soll ich sagen? Sie haben wahrscheinlich recht. Das hat sicher nichts mit dem Wachstumswahn und Expandiergehabe zu tun, welche sonst überall um sich greifen.

 

Wahrscheinlich weiss Sprüngli einfach um die Untugenden der heutigen SBB-Fahrpläne, die einem gerade noch 3 Minuten Umsteigezeit zugestehen und man sonst das Einsehen hat. Wahrscheinlich ist dieser Sprung nach Bern die pure Selbstlosigkeit zugunsten all‘ der nostalgischen Seelen wie ich eine bin, damit wir ruhigen Pulses unser Mitbringsel doch noch an Ort und Stelle bringen können und das Glücksgefühl des Empfängers nicht der Enttäuschung weichen muss. Asche über mein Haupt!

 

Und dennoch; ich kaufe die Luxemburgerli nach wie vor in Zürich. Nehm‘ dann einfach den übernächsten Zug und da mittlerweile der Halbstundentakt auf nämlicher Strecke eingeführt worden ist, reicht es sogar noch für einen Latte im Bistro: Ist das Leben nicht süss? Hab‘ ich Sprüngli zu verdanken!!



2 Gedanken zu „Sprüngli ist jetzt auch in Bern!“

  1. Charlotte sagt:

    herrlich…und wie fast immer im Leben – it depends only on the point of view, oder?

    1. Manuela Gebert sagt:

      … recht hast Du!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.