Schneeglöckchen

Gestern haben Teppiche von Schneeglöckchen meinen Weg gesäumt, sie haben sich mitten im Schnee einen Weg gebahnt und bilden mit ihren grünen zarten Stängeln einen spannenden Kontrast im Weiss des Waldrands.

Welch feiner Klang diesen tausend samtenen Glöckchen wohl entsteigen würde? Ein Elfengesang müsste es sein, der sich unsichtbar in die Baumkronen hinaufschwingt, um mit dem Wind ins nahe Dorf zu segeln, über die Dächer und Hügel zu streichen und dort als klingende Tropfen in den Gärten einer Stadt wieder zur Erde fallen würde.

Es ist die Fantasie, welche aus jeder Begegnung Geschichten spinnen kann. Geschichten, die weder Bestand noch Ende haben müssen, sondern in ihrer losen, flüchtigen Existenz einen kurzen Augenblick zum Träumen verleiten und gleichzeitig Impuls für die Realität schenken können.

Welche Geschichten sind heute Deiner Fantasie entstiegen, welches Flüstern hast Du vernommen, innegehalten und gespannt verfolgt, welche Wendung es nimmt, welche Gestalt es kurz skizziert und wieder ausradiert?

Ich sitze mittlerweile an meinem Schreibtisch und freu mich an den Weidenkätzchen, die aus ihrem Schlafgemach gequollen sind und nun silbermatt im letzten Abendlicht schimmern, das durchs Fenster fällt.



Ein Gedanke zu “Schneeglöckchen”

  1. das ist ein wunderbarer Text!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.