Heute

 

Es schüttet in Strömen. Der Himmel ist wolkenverhangen. Obwohl Nachmittag, ist das Tageslicht verschluckt vom Unwetter, das übers Land zieht. Drinnen brennt behaglich ein Feuer und verbreitet seine Wärme. Die Lampen mit ihrem sanften Licht geben hell. Verschiedene Kerzen verströmen den Duft nach Wachs und tragen zur heimeligen Atmosphäre bei. Es ist stiller geworden, einzig die trommelnden Regentropfen auf dem Dach und die knackenden Äste im Kamin bilden eine angenehme Geräuschkulisse.

 

Ich liege gemütlich auf dem Sofa, ein Kissen im Nacken, die Füsse hochgelegt und lese. Neben mir eine Tasse dampfenden Kaffees. Der Hund hat sich an seinem Lieblingsplatz ausgestreckt und döst vor sich hin. Auf dem Tisch stehen frische Blumen. Vor dem Fenster tropft es ununterbrochen auf das sonnenverbrannte, alte Holzgeländer des Balkons. Die farbigen Köpfe der gestern gepflanzten Geranien bilden einen leuchtenden Kontrast zum Grau der Regenwand. Innehaltend wandere ich in Gedanken durch den Tag.

 

Es war die Sonne, die mich heute Morgen gekitzelt und geweckt hat. Die Fenster blieben offen durch die Nacht; so begleitet mich das Zirpen der Grillen beim Einschlafen und höre ich nachts das helle Bimmeln der Glöckchen, welche die Schafe auf der Wiese nebenan um den Hals tragen. Frühstück auf der Terrasse mit Aussicht in die herrliche Bergwelt und unbekümmerter Unterhaltung mit meinem Mann. Ein kurzer Schwank mit der Pöstlerin, die gut gelaunt die Post vorbeibringt. Schliesslich frisch geduscht und Sommerkleider tragend auf einen Sprung zu unsern Nachbarn, welche schwitzend Umgebungsarbeiten erledigen um ihr neues Haus herum. Zurück daheim überall im Haus die Fenster geöffnet, damit das warme Sommerwetter das Innere durchfluten kann. Kubanische Musik trug mich durch den restlichen Vormittag. Im Büro ein paar Stunden mich in Akten vertieft und Gesetze studiert, dabei den blühenden Holderbaum und Goldregen im Blickfeld. Und kurz vor dem herannahenden Gewitter das Motorengeräusch der schweren KTM vernommen; wie schön, mein Mann ist unversehrt zurück von seinem Ausflug ins Tessin. Zeit für Austausch, Apéro und Zweisamkeit.

 

Bald wird es in der Küche nach asiatischen Gewürzen, gegrilltem Fleisch, frischem Gemüse und sonstigen Köstlichkeiten duften. Auf unserm steinalten Holztisch wird eine Kerze brennen und wir werden bei feinem Essen und zwei, drei Glas Wein einen zufriedenen Abend zusammen verbringen. Über dies und das uns unterhalten, Pläne schmieden für morgen, um sie dann wieder zu verwerfen, Jazz oder Blues hören und bei einem Grappa und einer Constellation konstatieren, dass dies ein weiterer schöner, friedlicher Tag in unserm Leben war. Der Regen wird sein Konzert in die Nacht spielen und wir werden uns hoffentlich ausgeruht am Morgen wieder sehen und gespannt sein auf die vielen kleinen Wunder, die ein einziger Tag bereit halten kann.



5 Gedanken zu „Heute“

  1. Elsbeth Schranz sagt:

    Ich glaube, dass man zu soviel Idylle selber eine Menge dazu beitragen kann. Das freut mich sehr für dich, liebe Manuela, dass dir das gelingt.
    Davon kann ich noch viel lernen. Danke Elsbeth

    1. Manuela Gebert sagt:

      Liebe Elsbeth
      Selber haben wir ohnehin ganz viel in der Hand (vgl. dazu meinen Beitrag „Was Hänschen nicht lernt..“) und diese Freiheit und auch Verantwortung zu erkennen, ist bereits ein Glück. Ausgelernt habe ich sicher mein Leben lang nicht, das ist – denke ich- auch nicht das Ziel, sonnige Grüsse Manuela

  2. Sigrid sagt:

    Sein und Geniessen sind so schön spürbar. Manuela, schön wie du das schätzen kannst. Eine Gabe in unserer Zeit und nicht selbstverständlich!

  3. Franziska Fuss sagt:

    Liebe Manuela
    Wundervoll dein Tagesrückblick mit all den kleinen Dingen, die den Energie Tank zu füllen vermögen. Ich war gerade bei dir und habe alles miterlebt. Solche Tage soll es immer wieder geben. Nichts Verrücktes und doch so heilsam. Ich grüsse dich Franziska

    1. Manuela Gebert sagt:

      Liebe Franziska
      Gerade das Unspektakuläre hat mich gestern mit einer solch‘ tiefen Dankbarkeit und einem Frieden erfüllt. Heilsam, ja; auf den gestrigen Tag trifft dieses Wort in jeder Hinsicht zu.
      Mit liebem Gruss, Manuela

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