Ein abgekartetes Spiel

 

Als Nicht-Jasserin kenne ich diese Redewendung lediglich in Bezug auf den umgangssprachlichen Gebrauch: Gemeint ist Manipulation vermittels heimlicher Absprache. Gäbe es das Restaurant „Zum scharfe Egge“ noch, würde mir das Cabaret Rotstift den etymologischen Hintergrund kurz erleuchten und dann wüsste ich, dass man dann von Abkarten spricht, wenn beim Mischen und Ausgeben ein Blick in die Karten geworfen und dadurch das Spiel manipuliert wird.

Die Rollen in diesem Jass sind also klar verteilt. Da sind einerseits die Manipulierer und andererseits die Manipulierten. Die Wissenden und die Ahnungslosen. Die einen haben sich abgesprochen, heimlich, wie es die Redensart unterstreicht. Die andern sitzen ohne Hintergedanken am Tisch und sind gespannt aufs Spiel, dessen Ende jene wiederum ja bereits kennen und somit aus anderweitigem Grund als die andern fiebrige Äuglein haben.

So wird also ausgegeben und das Spiel eröffnet. Munter werden Karten auf den Tisch gelegt und anfangs meinen die Manipulierten noch, dass es wirklich um das Vordergründige geht. Bald schon aber werden sie eines Besseren belehrt. Wo die Manipulierer angeblich keine Trümpfe mehr haben und die Manipulierten siegessicher die Höchsten der andern Farben in die Runde blättern, um aufzuräumen, taucht da plötzlich doch ein Trumpf auf, einfach aus nicht erwarteter Ecke. Und statt auf Augenhöhe geht das Spiel einer Hidden Agenda folgend recht eigentlich den Bach runter. Die Wissenden spielen einander wie zufällig die eben richtige Karte zu; da können die Ahnungslosen noch so bestechende Argumente haben:

Sie kommen einfach nicht durch, werden nicht gehört, denn es geht gar nicht um ein offenes Diskutieren, direkten Austausch oder gar gemeinsame Meinungsbildung. Vielmehr wird das ganze Treffen zum Schmierentheater mit einstudierten Dialogen; arrangierten Zufälligkeiten, welche mindestens zur Destabilisierung der Manipulierten, sicher aber zum von Beginn an geplanten Ziel und Sieg der Manipulierer führen muss. Weiter soll es den Ausgetricksten die angebliche Macht jener demonstrieren, die am gleichnamigen Hebel sitzen.

Nur; die Manipulierer haben etwas vergessen in ihrem Triumph: Dieses Spiel war weniger eine Demonstration von Macht, als vielmehr eine ihres (ohnmächtigen) Charakters, denn dieser kommt selbst im Umgang mit fiktiver Macht zum unmissverständlichen Vorschein. Jasstechnisch haben vordergründig die Wissenden einen Match-Winner eingefahren: Eigentliche Sieger sind dennoch die Manipulierten, denn sie wissen nun, mit welchem Gegenüber sie es zu tun haben. Und das ist ein Vorteil, den keine Manipulation wettmachen kann.

 

 



2 Gedanken zu „Ein abgekartetes Spiel“

  1. Benjamin Stupan sagt:

    Wer im Spiel falsch ist, wird es auch im Leben sein. Manipulation fliegt auf – früher oder später. Das Vertrauen ist dahin, der Ruf geschädigt. Verloren ist weit mehr als ein Spiel!

    1. Manuela Gebert sagt:

      Wie recht Du hast!

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