Die Leiden des halbvollen Glases

 

Oh ja, ein veritabler Widerspruch, dieser Titel. Nun, dies weltberühmte Glas lebt sozusagen inmitten ständigen Widerspruchs, es befindet sich geradezu im Auge des Orkans, wenn man so will. Ungewollt, das kann ich Ihnen versichern.

Tagein, tagaus kommt es zwischen die Fronten, das halbvolle resp. halbleere Glas. Zwei Lager liegen sich seit Beginn der Zeitrechnung, ach eigentlich seit Anfang der Menschheit in den Haaren. Sie ringen um nichts weniger als die Hermeneutik des täglichen Lebens. An diesem Glase also scheiden sich die Geister, und wie!

Hier die unverbesserlichen Optimisten, dort die ewigen Pessimisten. Und Beide untermauern sie Ihre Sicht der Dinge unter Zuhilfenahme besagten Glases. Einmal viel, einmal wenig Wasser enthaltend.

Das Glas muss als Analogie für jedes Thema herhalten, ob die Interpretation von Banalitäten, des Wetters, staatspolitischer Entscheidungen oder sonstigen menschlichen Verhaltens auf der Traktandenliste stehen. Inmitten dieser stetigen Paradigmenwechsel steht das Glas und wundert sich:

Warum dieser Deutungswahn? Weshalb nicht einfach simpel: Ein Glas, das Wasser enthält? Mal mehr, mal weniger, fertig!

Ob das Glas ein hoffnungsvoller, spielverderbender Realist ist?

Fragen Sie besser nicht!!



2 Gedanken zu „Die Leiden des halbvollen Glases“

  1. Fuss Franziska sagt:

    Liebe Manuela
    Diese Gläser Tatsache lässt mich schmunzeln, staunen, nicken. Gerade in meiner momentan sensiblen Gemütslage reagiere ich besonders auf Deutungen, die als halbleeres Glas daher kommen. Es ist eine wundervolle Tatsache, dass mein Vater mit der Gabe des halbvollen Glases gesegnet war. Wie herrlich positiv, zuvorkommend, hilfsbereit, aufmunternd, motivierend, realistisch, gerecht er war. Wie staune ich nun, wenn daher geplapperte Aussagen an mich prallen mit Inhalten, die sich an Oberflächlichkeit und leeren Worthülsen überbieten. Er war ja alt; ihr könnt froh sein ist es ihm so gut gegangen; ihm bliebt viel erspart. Das ist alles so was von wahr. Aber könnte man nicht auch sagen: Hämu war ein humorvoller Zeitgenosse; immer hatte er Zeit zum „Prichten“; er hat viel und gerne gearbeitet. Wie wenig anders und schon beleuchtet es eine neue Seite.
    Danke für den tollen Text.
    Ich grüsse Franziska

    1. Manuela Gebert sagt:

      Liebe Franziska
      Plappern ist wohl der passende Ausdruck für so unbedacht daher Gesagtes. Was Du beschreibst scheint mir auch ein Zeichen dafür, dass wir in unsern Breitengraden wenig geschult sind im Umgang mit dem Tod und den Zurück-Gelassenen. Vermeintlich Tröstendes wird dann in seiner banalen Leere zur weiteren Verletzung. Und unwillkürlich hast Du das Gefühl, Deinen Vater beschützen zu müssen vor solchen Aussagen; weil es so inadäquat ist, ihm nicht gerecht wird.
      Wie schön ist es, dass Du das Gute siehst, das Grosse, Liebliche, Starke, Faire: Dein Vater muss wunderbar gewesen sein und obwohl ich ihn nicht kennen gelernt habe, scheint er in Dir erkennbar zu sein: Beispielsweise in Deiner Geradlinigkeit, die ich sehr schätze.
      Ich wünsche Dir eine friedliche Nacht in Deinem Daheim, herzlich Manuela

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