Adventssingen

 

Zwei Dörfer. Zwei Sonntagnachmittage in der Adventszeit. Ein Grüppchen Kinder, zwei Erwachsene. Eine Gitarre und ein paar Flöten. Ein grosser Korb Mandarinen. Drei Schachteln rote Weihnachtskerzen. Und viele Stuben, wo ältere Menschen in Ohrsesseln, auf Holzstühlen, auf dem Kanapee sassen. In ihren Augen leuchtete es. Warum?

In meiner Kindheit war es Tradition, dass eine «Tschuppelete» Kinder an zwei Nachmittagen durch mein Heimat- und das Nachbardorf zog und an den Türen der älteren Bewohner klopfte. Wir wurden eingelassen, ein Kind trug eine Mandarine mit brennender Kerze in das Haus, wir alle drängten uns in die kleinen oder grossen Stuben, stellten uns halbwegs wie ein Chörli auf und trugen Weihnachtslieder vor, begleitet von Flöten- und Gitarrenklängen. Es wurde andächtig zugehört oder leise mitgesummt, gar fröhlich mitgesungen. War unsere kleine Vorstellung zu Ende, gab es ein liebes Klatschen, freundliches Merci, oft auch eine Handvoll Weihnachtguetzli. Und weiter gings zum nächsten Haus. So marschierten wir quer durch die beiden Dörfer und brachten klingende Freude in die Häuser. Eine besondere Stimmung, die unser Grüppchen jeweils packte: Wir wurden erwartet, durften ein Strahlen auf den Gesichtern unserer Zuhörer ernten und waren einfach glücklich, zusammen singen zu können.

Am Ende des Nachmittags, wenn es bereits eindunkelte, wurden wir im Pfarrhaus vom Pfarrer mit Tee, Gebäck, Christstollen, Guetzli, Orangen, Mandarinen und viel Wohlwollen empfangen. Ein fröhliches Geschnatter habe ich in Erinnerung, wenn ich an diesen grossen, mit Kindern gefüllten Raum denke. Es war eine schöne Zeit und Tradition und ich frage mich gerade, ob vielleicht gar heute noch Kinder an Türen klopfen und ein paar Weihnachtslieder in die Stuben der älteren Dorfbewohner bringen.

Vielleicht wurden neue Traditionen eingeführt?

Was haben Sie als Kind in dieser Hinsicht erlebt?



2 Gedanken zu „Adventssingen“

  1. Gabi Wyss sagt:

    Ich war zu dieser Zeit oft bei meiner Grossmutter,(sie wohnte imselben Dorf) die Weihnachtsguetzli machte und Bretzeli machte mit einem alten Bretzeleisen. Der Duft erfüllte das ganze Haus, bis in seine kleinsten Nischen.
    Die Haustüre war immer für alle offen und die Besucher wechselten sich im Halbstundentakt ab. Es gab schöne, freundliche Gespräche und alles war ruhig und besinnlich. Hektik kannte damals kaum jemand.
    Das Dorfleben wurde wirklich noch gelebt.

  2. Mario sagt:

    Liebe Manuela

    Beim lesen deines Beitrags wurde ich in meine Kindheit versetzt, ja auch wir in Baden kannten diese Tradition jedoch ohne Kerzen und Mandarinen.

    Der «Lohn» war der gleiche glückliche Gesichter und viele Guetzli zum naschen, es war 1964 bis 1967….. als wäre es erst gestern gewesen…

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